Paartherapie oder Trennung? Was Gespräche bei Trennungsgedanken leisten können
Paartherapie, Trennungsberatung, Getrenntleben oder Scheidung: was bei Trennungsgedanken hilft, was das Gesetz regelt und wann Paartherapie danach noch passt.
Wie eine Scheidungs- oder Trennungsmediation in der Schweiz abläuft, was sie kostet, wer zahlt und wann sie nicht passt – mit Gesetzesgrundlagen.
Wenn klar ist, dass ein Paar getrennte Wege geht, stellen sich viele praktische Fragen auf einmal: Wer bleibt in der Wohnung? Wie wird das Geld aufgeteilt? Wo leben die Kinder, und wer zahlt wie viel Unterhalt? Eine Mediation ist ein Weg, diese Fragen gemeinsam zu regeln, statt sie einem Gericht zu überlassen. Dieser Ratgeber erklärt, wie eine Scheidungs- oder Trennungsmediation in der Schweiz abläuft, was sie kostet und wann sie nicht das richtige Verfahren ist.
Die FSM (Fédération Suisse Médiation), der Dachverband der Schweizer Mediationsorganisationen, beschreibt Mediation als prinzipiengeleitete Form der Konfliktklärung, bei der ergebnisoffene, allparteiliche Dritte die Beteiligten darin unterstützen, selbstverantwortlich zu einvernehmlichen Regelungen zu finden. Die Mediatorin oder der Mediator entscheidet also nichts, sondern sorgt für einen fairen Ablauf.
Vier Grundsätze prägen das Verfahren:
Mediation ist keine Paartherapie. Sie arbeitet nicht an der Beziehung, sondern an deren Regelung, und sie schaut nach vorn statt zurück. Wer noch unsicher ist, ob die Trennung der richtige Schritt ist, findet im Ratgeber Paartherapie oder Trennung? Orientierung.
Nach einem Vorgespräch, in dem Auftrag, Rahmen und Kosten geklärt und in einer Mediationsvereinbarung festgehalten werden, verläuft eine Mediation laut FSM in der Regel in diesen Phasen:
Typische Themen sind Unterhalt, Betreuung und Obhut der Kinder, Arbeitspensen, die Wohnsituation, die Aufteilung von Finanzen und Vermögen sowie Wohneigentum. Manche Stellen arbeiten in Co-Mediation: Bei der Paarberatung im Kanton Zürich etwa leiten jeweils eine Frau und ein Mann die Sitzungen, eine Person mit psychosozialem, die andere mit juristischem Hintergrund.
Wie lange es dauert, hängt von der Komplexität und der Verhandlungsbereitschaft ab. Die FSM gibt an, dass sich Mediationen in ihrer Mehrzahl in durchschnittlich drei bis fünf Sitzungen oder innerhalb von zwei bis drei Monaten regeln lassen. Die Zürcher Stelle rechnet mit etwa drei Sitzungen, wenn ein Paar sich in groben Zügen einig ist, und mit fünf, wenn zum Beispiel Wohneigentum geregelt werden muss.
Das Ergebnis ist eine schriftliche Vereinbarung, oft Konvention genannt. Was damit passiert, hängt davon ab, ob das Paar sich trennt oder scheiden lässt:
Eine Mediation kann auch während eines Gerichtsverfahrens stattfinden: Das Gericht kann sie jederzeit empfehlen, die Parteien können sie gemeinsam beantragen, und das Verfahren ruht so lange (Art. 214 ZPO). Die in der Mediation erzielte Vereinbarung kann gemeinsam zur Genehmigung eingereicht werden und hat dann die Wirkung eines rechtskräftigen Entscheids (Art. 217 ZPO). Ein Schlichtungsverfahren gibt es im Scheidungsverfahren übrigens nicht (Art. 198 ZPO).
Eine Wartefrist braucht es für eine einvernehmliche Scheidung nicht. Die Trennungszeit von zwei Jahren gilt nur, wenn ein Ehegatte gegen den Willen des anderen klagt (Art. 114 ZGB); vorher ist eine Klage nur bei Unzumutbarkeit möglich (Art. 115 ZGB).
Die Kosten tragen grundsätzlich die Parteien selbst (Art. 218 ZPO). Die FSM erlässt keine Honorarregelung; die Kosten werden vor Beginn ausgehandelt und in der Mediationsvereinbarung festgehalten. Nach Angaben der FSM liegen die Stundenansätze erfahrungsgemäss zwischen 150 und 300 Franken, und üblicherweise teilen sich die Partner die Kosten zu gleichen Teilen.
Bei Co-Mediation arbeiten zwei Fachpersonen, entsprechend höher ist der Ansatz. Die Paarberatung im Kanton Zürich verrechnet für Co-Mediation einen Normaltarif von 480 Franken pro Stunde; für Einwohnerinnen und Einwohner des Kantons sinkt er je nach steuerbarem Einkommen bis auf 120 Franken, jeweils zuzüglich Mehrwertsteuer. Pro Sitzung kommen 15 Minuten Vor- und Nachbereitung dazu, juristische Arbeiten wie das Ausformulieren der Konvention kosten 90 bis 360 Franken pro Stunde.
Wer zahlt, wenn das Geld knapp ist?
Was Paartherapie und Paarberatung kosten, steht im Ratgeber Was kostet eine Paartherapie in der Schweiz?
Mediation ist kein Allheilmittel. Diese Punkte sollten Sie kennen, bevor Sie sich dafür entscheiden:
Die FSM führt eine Suche mit nach eigenen Angaben über 700 anerkannten Mediatorinnen und Mediatoren und vergibt den Titel «Mediator:in FSM». Viele kantonale und kirchliche Paar- und Familienberatungsstellen bieten Trennungsberatung und Mediation unter einem Dach an. Fragen Sie im Vorgespräch nach der Ausbildung, nach Erfahrung mit Scheidungen und Kinderbelangen, nach juristischer Unterstützung und nach den Kosten.
Auf Paartherapie Schweiz sind derzeit keine Mediationspraxen gelistet. Wer die Trennung erst noch klären oder emotional verarbeiten möchte, findet Praxen unter Trennungs- und Scheidungsberatung und im Verzeichnis. Den Begriff erklärt das Glossar unter Mediation.