Paartherapie-Praxen in der Schweiz

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    Paartherapie: Ablauf, Dauer und wer sie anbietet

    Paartherapie ist eine strukturierte Behandlung, in der beide Partner gemeinsam mit einer psychotherapeutisch ausgebildeten Fachperson an wiederkehrenden Konflikten, belastenden Mustern und den Folgen psychischer Belastungen für die Beziehung arbeiten. Paare kommen, wenn Streit sich im Kreis dreht, Nähe verloren gegangen ist, nach einer Affäre, bei unterschiedlichen Vorstellungen über Kinder, Geld oder Sexualität – oder wenn eine Depression, eine Angststörung oder eine Sucht eines Partners die Beziehung prägt.

    Am Anfang steht ein Erstgespräch zu zweit: Anliegen, Ziele, Rahmen und Kosten werden geklärt, ebenso die Frage, ob Paartherapie passt oder zuerst eine Einzelbehandlung, Krisenhilfe oder Gewaltberatung nötig ist. Danach folgen gemeinsame Sitzungen – in akuten Phasen oft wöchentlich, später in grösseren Abständen. Einzelsitzungen innerhalb der Paartherapie sind möglich, wenn vorher geklärt ist, wie mit dem Gesagten umgegangen wird. Die Fachperson ist allparteilich: Sie ergreift nicht Partei, sondern macht sichtbar, wie beide zum Muster beitragen und was sich ändern lässt. Wer die Sitzung begleitet, arbeitet oft nach einer bestimmten Methode, etwa emotionsfokussiert, nach Gottman, systemisch oder nach Imago.

    Rechtlich ist Psychotherapie in der Schweiz klar geregelt: Wer sie in eigener fachlicher Verantwortung ausübt, braucht eine Bewilligung des Kantons (Art. 22 Psychologieberufegesetz, PsyG). Psychologinnen und Psychologen mit eidgenössischem Weiterbildungstitel in Psychotherapie sind im öffentlichen Psychologieberuferegister (PsyReg) des BAG aufgeführt, Ärztinnen und Ärzte für Psychiatrie und Psychotherapie im Medizinalberuferegister (MedReg). Die Bezeichnung «Paartherapeut» selbst ist dagegen kein gesetzlich geregelter Titel – fragen Sie deshalb nach der Grundausbildung und der Weiterbildung dahinter.

    Eine gute Fachperson gibt ihre Qualifikation offen an, hat eine Weiterbildung oder Erfahrung in Paar- und Familientherapie und nennt vor der ersten Sitzung Stundenansatz, Abrechnungsweg und Absageregeln. Sie gibt beiden Partnern im Erstgespräch Raum, fragt aktiv nach Gewalt in der Beziehung und verweist bei Bedarf an spezialisierte Stellen. Ein Warnsignal sind Erfolgsgarantien wie «Ihre Beziehung in fünf Sitzungen gerettet».

    Kosten und Abrechnung

    Paartherapie wird pro Sitzung oder pro Stunde abgerechnet; Doppelsitzungen und Co-Therapie mit zwei Fachpersonen kosten entsprechend mehr. Die Grundversicherung zahlt nur, wenn eine psychische oder psychosomatische Erkrankung behandelt wird – dann ist auch das Paarsetting möglich (Art. 2 KLV). Bei psychologischen Psychotherapeutinnen braucht es eine ärztliche Anordnung, und pro Anordnung sind höchstens 15 Sitzungen gedeckt (Art. 11b KLV). Eine Beziehungskrise ohne Krankheitswert bezahlen Sie selbst oder mit Beteiligung der Zusatzversicherung. Tarifbeispiele, Zusatzversicherungen und den Steuerabzug erklärt der Ratgeber «Was kostet eine Paartherapie in der Schweiz».

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    Häufige Fragen

    Wie lange dauert eine Sitzung Paartherapie?
    Das legt jede Praxis selbst fest. Paarsitzungen sind oft länger als Einzelsitzungen: Bei der Paarberatung im Kanton Zürich etwa dauert ein Paargespräch in der Regel 75 bis 90 Minuten, ein Einzelgespräch 60 Minuten. Fragen Sie vorab, ob der Ansatz pro Sitzung oder pro Stunde gilt.
    Wie viele Sitzungen braucht eine Paartherapie?
    Das ist sehr unterschiedlich und hängt von Anliegen, Vorgeschichte und Zielen ab. Seriöse Fachpersonen vereinbaren nach einigen Sitzungen eine Zwischenbilanz, statt von Beginn an eine feste Zahl zu versprechen.
    Ergreift die Paartherapeutin Partei?
    Nein, sie arbeitet allparteilich: Sie nimmt die Anliegen beider gleichermassen ernst und stellt sich abwechselnd auf die Seite jedes Partners, um dessen Sicht verständlich zu machen. Eine Grenze gibt es bei Gewalt – dann steht der Schutz der betroffenen Person im Vordergrund. Wer sich dauerhaft benachteiligt fühlt, sollte das in der Sitzung ansprechen; ein Wechsel der Fachperson ist legitim.
    Was bedeutet Paartherapie mit zwei Therapeuten?
    Bei der Co-Therapie leiten zwei Fachpersonen die Sitzung gemeinsam, oft eine Frau und ein Mann. Das kann helfen, wenn die Konflikte sehr heftig sind oder sich beide Partner gleichermassen verstanden fühlen sollen. Weil zwei Personen arbeiten, ist der Stundenansatz entsprechend höher.
    Gibt es Paartherapie auf Englisch?
    Ja. Mehrere Praxen im Verzeichnis arbeiten auch auf Englisch, einzelne zudem auf Französisch oder Italienisch. Die Sprachen stehen in jedem Profil, und das Verzeichnis lässt sich nach Sprache filtern.
    Gibt es Intensiv- oder Wochenend-Paartherapie?
    Manche Praxen bieten Paaren längere Sitzungen oder Doppelsitzungen an; ob und zu welchem Preis, regelt jede Praxis selbst. Wochenendformate gibt es vor allem als Paarkurse: Paarlife-Workshops und -Kommunikationstrainings finden je nach Anbieter zum Beispiel am Freitagabend und Samstag statt. Ein Kurs ersetzt keine Therapie bei einer tiefen Krise.
    Ist das Erstgespräch kostenlos?
    Das regelt jede Praxis selbst, eine allgemeine Regel gibt es nicht. Fragen Sie bei der Anfrage, ob und wie das Erstgespräch verrechnet wird und bis wann Sie kostenlos absagen können.
    Ist Paartherapie bei Gewalt in der Beziehung geeignet?
    Solange Gewalt ausgeübt wird oder erst kurz zurückliegt, ist eine herkömmliche Paarberatung nicht sinnvoll – so hält es das Interventionsprotokoll des Kantons Freiburg fest. Zuerst geht es um Sicherheit. Die Opferhilfe berät unter der Nummer 142 kostenlos und vertraulich; bei akuter Gefahr wählen Sie die Polizei unter 117.
    Ist «Paartherapeut» ein geschützter Titel?
    Nein, die Bezeichnung ist im Psychologieberufegesetz nicht geregelt. Geschützt sind die Bezeichnung «Psychologin/Psychologe» und die eidgenössischen Weiterbildungstitel, etwa in Psychotherapie. Ob jemand einen solchen Titel und eine kantonale Bewilligung hat, zeigt das öffentliche Psychologieberuferegister PsyReg.
    Wer darf psychologische Psychotherapie – auch im Paarsetting – anordnen?
    Ärztinnen und Ärzte mit Weiterbildungstitel in Allgemeiner Innerer Medizin, Psychiatrie und Psychotherapie, Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie oder Kinder- und Jugendmedizin sowie solche mit dem Schwerpunkt Psychosomatische und psychosoziale Medizin (Art. 11b KLV). In der Praxis ist das oft die Hausärztin oder der Hausarzt. Für eine Krisenintervention oder Kurztherapie bei einer neu diagnostizierten schweren Erkrankung oder in einer lebensbedrohlichen Situation dürfen auch Ärztinnen und Ärzte mit einem anderen Weiterbildungstitel anordnen, dann für höchstens 10 Sitzungen. Voraussetzung ist in jedem Fall, dass eine psychische Erkrankung behandelt wird.